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Der Strandkorb – Kultobjekt deutscher Gemütlichkeit

von | Jul 18, 2019 | Blog, Pressebereich - DE | 0 Kommentare

Ein zweiteiliges Holzgestell mit Korbgeflecht, eine überdachte Sitznische, die man in beliebige Positionen verstellen kann, darunter Kästen, die man ausziehen kann, um die Füße darauf zu legen oder Strandutensilien darin zu verstauen, Klapptische auf beiden Seiten und die Innenverkleidung aus einem Stoff, der vor Wind, Sand, Sonne und Regen schützt – das ist ein Strandkorb. Wer schon mal versucht hat, bei dem oft windigen Wetter an Ost- und Nordsee Zeitung zu lesen, Eis zu essen, ohne dass der Sand zwischen den Zähnen knirscht, oder sich mit Sonnenlotion einzucremen, der wird die Vorzüge eines Strandkorbs zu schätzen wissen. Er gilt als deutsches Phänomen und ist allseits so beliebt, dass man ihn nicht nur überall an den Ost- und Nordseestränden Deutschlands finden kann. Begeisterte Strandkorbnutzer haben die Freizeitmöbel auch schon an Seen oder Flüssen im Inland aufgestellt und selbst an französischen, polnischen und spanischen Küsten wurden sie schon gesichtet.

Praktisch, bequem, originell und immer für ein gutes Fotomotiv gut, haben die Allwettersitze in den fast 150 Jahren ihrer Geschichte nichts von ihrem Reiz eingebüßt. Es gibt sie von der klassisch einfachen Variante, die sich wenig von den allerersten Strandkörben unterscheidet, über trendige Modelle in den jeweiligen Farben der Saison bis hin zur Super-Luxus-Ausführung mit eingebauter Heizung, Kühlschrank, Musikanlage und Minibar, mit entsprechendem Preisgefüge, versteht sich.

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts entstanden die ersten deutschen Seebäder. Der Seebadeort Heiligendamm an der Ostsee, der älteste Deutschlands und Kontinentaleuropas, wurde im Jahr 1793 gegründet und nur wenige Jahre später, im Jahr 1797 eröffnete man an der Nordsee eine Seebadeanstalt auf Norderney. Kein Vergleich zum heutigen Strandleben, denn die Badekultur damaliger Zeiten, die überwiegend medizinische Hintergründe hatte, brachte strengste Regeln zur Einhaltung der Sittlichkeit mit sich. Unverzichtbar waren neben einer Badebekleidung, die eher langen Nachthemden glich, auch Badehütten oder Badekarren zum “schicklichen Umkleiden”. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Strände zunehmend auch für Touristen und Badegäste interessant und neben den Strandhütten nutzte man Strandzelte, in denen ganze Familien Platz fanden.

Trotz dieser Vorläufer gilt der Rostocker Hof-Korbmachermeister Wilhelm Bartelmann als der eigentliche Erfinder des Strandkorbes, so wie wir ihn heute kennen. Überliefert ist die Geschichte des allerersten Strandkorbs (Info Wikipedia). Dieser Geschichte zufolge wünschte sich im Jahr 1882 eine an Rheuma leidende ältere Dame eine schützende Sitzgelegenheit für den Strand, um trotz ihrer Krankheit den Sommer in Warnemünde verbringen zu können. Wilhelm Bartelmann baute für sie einen Einsitzer aus Korbgeflecht, den er mit Markisenstoff überzog. Dieser Strandkorb kam so gut bei den Strandbesuchern an, dass sich der Meister bald vor Folgeaufträgen kaum retten konnte. Im Laufe der Zeit entwickelte er dann die eigentliche Urform, den Zweisitzer-Strandkorb mit zusätzlichen Details wie Markisen, Fußstützen und Klapptischen. Dieser verbreitete sich rasend schnell an den Stränden der Ost- und Nordseeküste.

Bis in die 1920er Jahre war der Aufenthalt am Strand in Deutschland ein Privileg des Adels und des wohlhabenden Bürgertums. Das Entkleiden und Sonnenbaden am Strand galt aber als unschicklich, da sonnengebräunte Haut als ein Merkmal der unteren Schichten gesehen wurde. Ein Bad im Meer war nur an ausgewiesenen Stellen und selbstverständlich nur nach Geschlechtern getrennt möglich. Der Genuss von Sonne, Meer und Strand, wie wir ihn kennen und lieben, wurde erst nach der Novemberrevolution von 1918 möglich. Erkämpfte Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, wie der Anspruch auf bezahlten Urlaub zur Erholung, ermöglichten es nun auch Teilen der Arbeiterschaft, Urlaub am Meer zu machen. Die Sitten änderten sich und es war jetzt auch erlaubt, sich im Strandkorb zu sonnen und direkt vom Strandkorb aus ins Meer zum Baden zu gehen.

Inflation, Wirtschaftskrise, Krieg, Nachkriegszeit – der Strandkorb überlebte und ist bis heute bei Strandbesuchern und Badegästen unverändert das beliebte Kultobjekt für Urlaub an der See.

 

Ina Kropeit

 

PS: Übrigens, das Wort Strandkorb zählt zu den Wörtern, für die es keine adäquate Übersetzung in andere Sprachen gibt. In die englische und in die französische Sprache ist das Wort Strandkorb als Germanismus übernommen worden.